FÖRDERER

Schlussveranstaltung

Kulturelle Globalisierung: Neue Formen transnationaler religiöser Vergesellschaftung

Datum/Zeit: Freitag 15.10.2010, 12.00 – 13.45 Uhr
Raum: HZ 1

Teilnehmer: Peter L. Berger (Boston), Hansfried Kellner (Frankfurt am Main), Thomas Luckmann (Konstanz)

Die Weltreligionen – und nicht nur sie, sondern auch ihre zahlreichen Abspaltungen oder Sekten sowie auch andere Glaubensbruderschaften oder ‚charismatische religiöse Bewegungen‘ – sind von je her, selbst dann, wenn sie, wie das Judentum, nicht missionieren, selten begrenzt auf ein fest umrissenes Territorium. Sie prägen die Kulturen, die sie dominieren, und sie passen sich jenen an, in die sie eingewandert sind oder in denen sie eine Minderheitenposition repräsentieren: Ebenso wie die Globalisierung sich der empirischen Beobachtung als ‚many globalizations‘ (Berger/Huntington 2002) darbietet, so präsentieren sich die großen (und kleinen) Religionen bisher in kaum überschaubarer Vielfalt. Obwohl sich dieses Erscheinungsbild auf den ersten Blick nicht grundsätzlich geändert hat, fällt auf, dass sich durch den Einfluss der Medien die Grenzen der Anpassung verschoben und die Anpassungszwänge verändert haben: Über territoriale und kulturelle Barrieren hinweg formen medial basierte ‚Mega-Churches‘ und charismatische Prediger, die ‚Telekhomeinis‘ (Derrida) der Gegenwart, neue Typen religiöser Vergesellschaftung. Diese wiederum schaffen im Zusammenspiel von lokaler und überregionaler Gemeindebildung, von lokaler Gemeindeorganisation und charismatischen Medienbotschaften, von lokaler Kontrolle und permanenter medial präsentischer Aufsicht neue Strukturen religiösen Zusammenhalts. Dadurch wird zwar die Differenz zwischen der nicht unmittelbar sichtbaren Religion – der nicht-kirchlichen/nicht-institutionellen, individuellen Religiosität – des einzelnen Gläubigen einerseits und der sichtbaren, in Organisationen (Kirchen, Gemeinden) und ihren Symbolen repräsentierten Religionen oder Weltanschauungen andererseits nicht grundsätzlich aufgehoben. Aber die medial verstärkte Sichtbarkeit und Omnipräsenz sowohl der miteinander
konkurrierenden religiösen Ausdrucksformen als auch ihrer Symbole und Repräsentanten könnte dazu führen, dass der Blick auf das vordergründig Sichtbare erneut das Verstehen der Hintergründe religiöser Haltungen und Handlungen erschwert oder verstellt.



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