Forum: Soziologische Zeit-Spiegelungen – Die Frankfurter Soziologentage in Retrospektive
Datum/Zeit: Donnerstag 14.10.2010, 18.15 – 20.15 Uhr
Raum:Â HZ 2
Organisation/Moderation: Karl-Siegbert Rehberg (Dresden)
Diskussion mit und Vorträge von:
1910 – Gegenstrebige Gründung
Johannes Weiß (Kassel)
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1946 – Vergangenheitswirkung und Neuanfang
Uta Gerhardt (Heidelberg)
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1968 – Akademische Soziologie und studentischer Protest
Claus Offe (Berlin)
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1990 – Wiedervereinigung und Wege in die Moderne
Wolfgang Glatzer (Frankfurt am Main)
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Frankfurt ist bereits zum fünften Mal Austragungsort des deutschen Soziologiekongresses und übertrifft damit sogar die Bundeshauptstadt Berlin. Unterstreicht dies allein schon in quantitativer Hinsicht die Bedeutung des Wissenschaftsstandortes Frankfurt für die deutsche Soziologie, so sind die Frankfurter Kongresse auch in qualitativer Hinsicht von besonderer Bedeutung. 1910 tagte der Erste Deutsche Soziologentag in Frankfurt, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem es im Deutschen Kaiserreich weder soziologische Lehrstühle noch soziologische Institute und Fachzeitschriften gab. Entsprechend heterogen waren auch die TeilnehmerInnen an dieser Veranstaltung zusammengesetzt. Zusammen mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am 3. Januar 1909 handelte es sich um den ersten Versuch einer Professionalisierung der soziologischen Forschung in Deutschland. Die Frankfurter Dozententagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie von 1932 war demgegenüber der Entwicklung der soziologischen Lehre in der Weimarer Republik gewidmet. Sie konnte aber aufgrund der nationalsozialistischen Machtergreifung nicht mehr die Wirksamkeit entfalten, die sie verdient hätte. Der zweite Frankfurter Soziologentag von 1946 stand demgegenüber noch ganz unter dem Schatten der Kriegsniederlage, der dadurch bedingten Zerstörung der deutschen Großstädte sowie der Notwendigkeit, eine sozialwissenschaftliche Forschungsstruktur in Westdeutschland einzuführen, um den demokratischen Neuaufbau flankierend zu unterstützen. Der dritte Frankfurter Soziologentag von 1968 war durch den nicht zuletzt durch die Studentenbewegung zugespitzten Gegensatz zwischen der “bürgerlichen” und der “marxistischen” Soziologie geprägt. Entsprechend lang hat es gedauert, bis die hierbei aufgerissenen Gräben wieder zugunsten eines einvernehmlichen Umgangs miteinander zugeschüttet werden konnten. Der vierte und vorletzte Frankfurter Soziologentag von 1990 fiel zeitlich mit der deutschen Wiedervereinigung zusammen. Auch hier handelte es sich um eine Zäsur epochalen Ausmaßes. Die Frankfurter Soziologentage geben mithin genug Anlass zur Frage, wie sich die Fachgeschichte der deutschen Soziologie in den letzten hundert Jahren von ihrer Perspektive aus gesehen darstellt.













